Kleine Holzwerkstoffkunde - welche Holzwerkstoffe gibt es?

Möbel aus Holz können aus Massivholz zusammengesetzt werden. Massivholz aus dem ganzen Stück ist recht wertig, kann sich aber leicht verziehen. Traditionelle Holzverbindungen aber wie z.B. Schlitz- und Zapfenverbindungen, Gratleisten, Zinken oder ähnliches wirken dem Quell- und Schwindverhalten des Massivholzes entgegen. Formstabiler ist da die Leimholz- oder Dreischichtplatte aus schmal geschnittenen Brettstreifen, die miteinander verleimt werden. Sehr formstabil und zudem auch noch recht leicht ist die Tischlerplatte. Sie besteht im Kern aus einer Platte aus verleimten Holzstäben (z.B. aus Fichte oder Kiefer), die oben und unten je eine dünne Deckschicht erhält. Massivholz, Leimholz und Tischlerplatte werden für Tische, Schränke, Betten etc. verwendet.

Für Rückwände und im Innenleben von Polstermöbeln z.B. benutzt man häufig Sperrholz. Sperrholz besteht aus 3 oder mehr kreuzweise verleimten Holzschichten und bricht nur schwer, ist aber nicht ganz so formstabil. Sperrholz und Tischlerplatte werden häufig mit edleren Hölzern furniert. Die so genannte Multiplexplatte, d.h. ein dickes, viellagiges Furniersperrholz bis 80 mm Dicke, hat für den Möbelbauer viele produktionstechnische Vorteile, zu dem bietet sie eine sehr moderne Optik. Bis vor kurzem waren wir mit der gesundheitlichen Qualität dieser Platten aber noch nicht zufrieden, obwohl sie unter ökologischen Gesichtspunkten vorbildlich waren. Produkttests in jüngster Zeit haben uns aber gezeigt, dass es auf dem Markt mittlerweile Multiplexplatten gibt, deren Verwendung wir unterstützen können.

Auf dem Markt gibt es noch viele andere Holzwerkstoffe, die aber im ökologischen Möbelbau nicht verwendet werden: Vor allem die im Massenmöbel-Markt beliebte Spanplatte kann aufgrund der verwendeten Leime, die in Spanplatten in weit größeren Mengen als bei den obigen Platten eingesetzt werden müssen, gesundheitlich kritisch sein. Der Einsatz formaldehydhaltiger Harzleime bei der Herstellung von Möbeln ist mit die häufigste Ursache für eine Schadstoffbelastung in Innenräumen. Unter ungünstigen raumklimatischen Bedingungen, z.B. bei erhöhter Raumtemperatur, erhöhter Luftfeuchte und gleichzeitig niedriger Luftwechselrate, erhöht sich das Risiko der Freisetzung von nicht erwünschten z.T. gesundheitsschädlichen Stoffen noch.

Untersuchungen verschiedener Holzwerkstoffe aus jüngerer Vergangenheit zeigten zum überwiegenden Teil erschreckend hohe Formaldehyd-Emissionen, die in einigen Fällen sogar oberhalb der gesetzlich vorgeschriebenen Emissionsklasse E1 (<0,1ppm) lagen. Grundsätzlich verzichten ökologische Möbel daher auf Holzwerkstoffe mit großflächigen gesundheitsschädlichen Klebstoff- oder Leimanteilen. Möbel die mit dem Gütezeichen ÖkoControl ausgezeichnet werden, garantieren eine formaldehydfreie Verleimung.

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